Artenvielfalt bewahren: Was wir jetzt tun müssen, bevor es zu spät ist

Ein Drittel aller untersuchten Tier- und Pflanzenarten ist bedroht – und die Artenvielfalt schwindet schneller als je zuvor in der Geschichte unseres Planeten. Tatsächlich könnte in den nächsten Jahrzehnten mehr als eine Million Spezies vom Aussterben bedroht sein. Die Rate des Artensterbens ist heute zehn- bis mehrere hundert Mal grösser, als sie es in den vergangenen zehn Millionen Jahren auf natürliche Weise war. Die Artenvielfalt Bedeutung für unser Überleben können wir nicht ignorieren. In der Schweiz allein gibt es rund 230 Lebensraumtypen, fast die Hälfte davon ist bedroht. In diesem Artikel zeigen wir, warum Artenvielfalt überlebenswichtig ist und welche konkreten Massnahmen wir jetzt ergreifen müssen.

Der aktuelle Zustand der Artenvielfalt weltweit

Die Zahlen des WWF Living Planet Report 2024 zeichnen ein alarmierendes Bild: Die Bestände von Säugetieren, Amphibien, Reptilien, Vögeln und Fischen sind in den letzten 50 Jahren um durchschnittlich 73 Prozent zurückgegangen. Besonders dramatisch zeigt sich der Rückgang in Süsswasserökosystemen mit 85 Prozent, gefolgt von Landökosystemen mit 69 Prozent und Meeresökosystemen mit 56 Prozent. Der Atlantische Kabeljau verlor zwischen 2000 und 2023 beispielsweise 77 Prozent seines Bestands.

Regional betrachtet trifft der Artenschwund Lateinamerika und die Karibik mit 95 Prozent am härtesten, Afrika verzeichnet einen Rückgang von 76 Prozent. In Europa liegt der Verlust bei 35 Prozent, allerdings deshalb, weil ein grosser Teil der Artenvielfalt bereits vor Jahrzehnten verschwand. Die Weltnaturschutzunion IUCN führt aktuell mehr als 48.000 Arten in Bedrohungskategorien.

Die grössten Treiber dieser Entwicklung sind die Zerstörung von Lebensraum und Übernutzung natürlicher Ressourcen. Insbesondere die Artenvielfalt tropischer Regenwald-Gebiete leidet unter der Umwandlung in Agrarflächen. Umweltverschmutzung und Klimawandel verschärfen die Situation zusätzlich. Menschliches Handeln bleibt die Hauptursache für das Artensterben.

Warum Artenvielfalt für uns überlebenswichtig ist

Biodiversität umfasst drei Dimensionen: die Vielfalt der Arten, die genetische Vielfalt innerhalb dieser Arten und die Vielfalt der Ökosysteme wie Wälder, Moore oder Meere. Diese Vielfalt bildet die Grundlage für funktionierende Ökosysteme und menschliches Leben.

Artenreiche Ökosysteme liefern uns Nahrung, stellen Wirkstoffe für Arzneien bereit und spielen eine zentrale Rolle in der Klimaregulation. Mehr als die Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts, rund 44 Billionen US-Dollar, hängt von einer intakten Natur ab. Insekten bestäuben weltweit drei Viertel aller Nutzpflanzen – der wirtschaftliche Wert dieser Leistung beläuft sich auf etwa 500 Milliarden Dollar jährlich.

Artenvielfalt stabilisiert Ökosysteme. Stabile, artenreiche Systeme nehmen Kohlendioxid auf und speichern es langfristig als Humus oder Torf im Boden. Sie sind widerstandsfähiger bei Veränderungen. Genetische Vielfalt ermöglicht Arten, sich an Klimawandel, Krankheiten oder Umweltveränderungen anzupassen. Ohne diese Anpassungsfähigkeit fehlt der Natur die Resilienz für langfristiges Überleben.

Biodiversität schützt zudem vor Krankheiten. Durch die Zerstörung natürlicher Lebensräume erhöht sich das Risiko für Zoonosen – Infektionskrankheiten tierischen Ursprungs wie Ebola oder Covid-19. Etwa zwei Drittel aller neu auftretenden Infektionskrankheiten stammen von Wildtieren.

Was wir jetzt konkret tun müssen

Die Rettung der Artenvielfalt erfordert Massnahmen auf allen Ebenen. Erstens brauchen wir politische Instrumente: Die Einrichtung eines Biodiversitätsfonds in Höhe von einer Milliarde Euro könnte seltene Lebensräume schützen und Landwirte angemessen entschädigen. Gespeist aus Steuern auf CO2-Emissionen und Ressourcenverbrauch würde dieser Fonds umweltfreundliches Verhalten fördern. Gleichzeitig müssen Förderungen umverteilt werden, weg von umweltschädlicher Land- und Forstwirtschaft. Jeder Acker sollte eine Biodiversitätsausgleichsfläche von zehn Prozent der Gesamtfläche erhalten.

Auf lokaler Ebene können wir im eigenen Garten oder auf dem Balkon viel bewirken. Einheimische Pflanzen mit unterschiedlichen Blütezeiten versorgen Insekten ganzjährig mit Nahrung. Insektenhotels, Asthaufen und Steinhaufen bieten Unterschlupf. Verzichten Sie auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und lassen Sie verblühte Pflanzen als Winterquartiere stehen.

Unser Konsumverhalten spielt ebenfalls eine Rolle. Kaufen Sie saisonale Nahrungsmittel aus der Region und unterstützen Sie Bio-Labelprodukte. Darüber hinaus können Sie Organisationen wie die Stiftung Pro Artenvielfalt finanziell unterstützen. Bei ambitionierten Schutzmassnahmen können sich selbst stark bedrohte Arten innerhalb von fünf bis zehn Jahren erholen.

Schlussfolgerung

Der Verlust der Artenvielfalt bedroht unsere Lebensgrundlagen, doch wir haben noch Zeit zu handeln. Wie wir gesehen haben, können sich bedrohte Arten innerhalb weniger Jahre erholen, wenn wir jetzt die richtigen Massnahmen ergreifen. Jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten – sei es durch einen insektenfreundlichen Garten, bewussten Konsum oder politisches Engagement. Die Werkzeuge liegen bereit. Wir müssen sie nur nutzen, bevor es tatsächlich zu spät ist.

FAQs

Q1. Wo ist die Artenvielfalt am stärksten bedroht? Die Artenvielfalt ist weltweit bedroht, besonders dramatisch jedoch in Lateinamerika und der Karibik mit einem Rückgang von 95 Prozent in den letzten 50 Jahren. Auch tropische Regenwälder leiden stark unter der Umwandlung in Agrarflächen. Süsswasserökosysteme verzeichnen global einen Rückgang von 85 Prozent, gefolgt von Landökosystemen mit 69 Prozent.

Q2. Welche Arten sind aktuell besonders vom Aussterben bedroht? Mehr als 48.000 Arten werden von der Weltnaturschutzunion IUCN in Bedrohungskategorien geführt. Besonders betroffen sind Säugetiere, Amphibien, Reptilien, Vögel und Fische, deren Bestände in den letzten 50 Jahren um durchschnittlich 73 Prozent zurückgegangen sind. Der Atlantische Kabeljau verlor beispielsweise zwischen 2000 und 2023 etwa 77 Prozent seines Bestands.

Q3. Was kann ich persönlich zum Schutz der Artenvielfalt beitragen? Sie können im eigenen Garten oder auf dem Balkon einheimische Pflanzen mit unterschiedlichen Blütezeiten anpflanzen, Insektenhotels aufstellen und auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten. Beim Einkauf sollten Sie saisonale und regionale Bio-Produkte bevorzugen. Zudem können Sie Naturschutzorganisationen finanziell unterstützen und sich politisch für Umweltschutzmassnahmen engagieren.

Q4. Wann findet der Tag der Artenvielfalt statt? Der Tag der Artenvielfalt ist ein wichtiger Aktionstag, um das Bewusstsein für den Schutz der Biodiversität zu stärken. Er bietet eine Gelegenheit, sich über die Bedeutung der Artenvielfalt zu informieren und konkrete Schutzmassnahmen kennenzulernen. Nutzen Sie diesen Tag, um sich aktiv für den Erhalt der Natur einzusetzen.

Q5. Warum ist Artenvielfalt für unser Überleben so wichtig? Artenvielfalt bildet die Grundlage für funktionierende Ökosysteme und liefert uns Nahrung, Arzneimittel und reguliert das Klima. Mehr als die Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts – rund 44 Billionen US-Dollar – hängt von intakter Natur ab. Insekten bestäuben drei Viertel aller Nutzpflanzen, was einem wirtschaftlichen Wert von etwa 500 Milliarden Dollar jährlich entspricht. Zudem schützt Biodiversität vor Krankheiten und erhöht die Widerstandsfähigkeit gegen Klimaveränderungen.

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