Der Kiebitz-Bestand in der Schweiz ist dramatisch eingebrochen: von über 1’000 Brutpaaren in den 1970er-Jahren auf nur noch rund 200 Paare heute. Trotz über 56’000 bekannter Arten zählt die Schweiz zu den artenreichsten Ländern Europas, doch geschützte Biotope machen lediglich 2,3 Prozent der Landesfläche aus. Dementsprechend reicht traditioneller Naturschutz nicht mehr aus. In diesem Artikel zeigen wir, warum Naturschutz Schweiz neu gedacht werden muss und wie die Fachstelle Naturschutz, der Schweizerische Bund für Naturschutz sowie Naturschutz und Landschaftsplanung neue Wege gehen.
Was traditioneller Naturschutz bedeutet
Seit dem 19. Jahrhundert setzt der naturschutz auf ein bewährtes Konzept: Schutzgebiete ausweisen, Grenzen ziehen und die Natur dahinter bewahren. Dieser Ansatz prägt bis heute die Arbeit vieler Institutionen, von der fachstelle naturschutz bis zu internationalen Organisationen. Doch gleichzeitig zeigt sich immer deutlicher, dass diese traditionelle Herangehensweise an ihre Grenzen stösst.
Schutzgebiete und ihre Grenzen
Die Europäische Union will bis 2030 dreissig Prozent ihrer Fläche als Schutzgebiete ausweisen, wobei zehn Prozent streng geschützt sein sollen. Tatsächlich stehen derzeit rund 3,4 Prozent unter strengem Schutz. Diese Zahlen offenbaren eine erhebliche Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Das Problem liegt nicht nur in der Fläche. Weniger als ein Fünftel aller Schutzflächen wird überhaupt nach ihrer Schutzfunktion untersucht. Wir wissen über viele Gebiete nicht, ob sie effektiv Pflanzen oder Tiere schützen. In Deutschland sind nur rund 0,6 Prozent der Fläche weitestgehend frei von menschlichen Einflüssen. Das selbst gesteckte Ziel von zwei Prozent Wildnisfläche bis 2020 wurde deutlich verfehlt.
Hinzu kommt die Fragmentierung: Schutzgebiete sind oft isoliert. Strassen, Siedlungen und Industriegebiete zerschneiden die Landschaften. Diese Zerstückelung verhindert die für viele Tierarten überlebenswichtige Vernetzung der Ökosysteme. Tiere können nicht mehr von einer Region in die andere wandern, mehrere Habitate bleiben unerreichbar.
Fast 20 Prozent aller Schutzflächen sind in den letzten 20 Jahren entweder verkleinert oder in einen niedrigeren Schutzstatus degradiert worden. Die Folgen: intensivere Nutzung natürlicher Ressourcen und fortschreitende Beschädigung der Ökosysteme.
Bewahrung als Hauptziel
Der herkömmliche naturschutz konzentrierte sich zunächst auf Flächenschutz und Artenschutz. Natur wurde als Kulturgut gesehen, als etwas Schützenswertes, das unverändert erhalten werden sollte. Diese Grundhaltung hatte starke Wurzeln in der Romantik. Der Schutz galt hervorragender landschaftlicher Schönheit, ursprünglichen Reizen und dem noch Unverfälschten.
Diese Sichtweise prägt den naturschutz schweiz und andere europäische Länder bis heute. Schutzgebiete sollen einen bestimmten Moment der Naturgeschichte festhalten. Allerdings bedeutet Bewahrung oft, natürliche Veränderungsprozesse zu unterbinden. In vielen Naturschutzgebieten sind ordnungsgemässe Forst- und Landwirtschaft erlaubt. Das Label “Naturschutzgebiet” täuscht über die tatsächliche Nutzung hinweg.
Warum reine Bewahrung nicht ausreicht
Die Realität zeigt erhebliche Defizite. Viele Schutzgebiete erlauben intensive Landwirtschaft oder sind durch Infrastruktur zerschnitten und können ihre ökologischen Funktionen kaum erfüllen. Das Management der Flächen ist nicht weniger wichtig als die reine Fläche selbst.
Der klassische naturschutz vertrat lediglich einzelne Schutzanliegen und duldete gleichzeitig die fortschreitende Belastung der Landschaften neben den Schutzräumen. Der Fokus auf einzelne Arten kann zulasten des Gesamtsystems gehen, das aus komplexen Wechselwirkungen besteht. Genauere Kenntnisse ökologischer Gesetzmässigkeiten fehlten lange Zeit.
Darüber hinaus stehen Naturschutzmassnahmen häufig im Widerspruch zu wirtschaftlichen Interessen. Vielen Staaten fehlen finanzielle Möglichkeiten für wirksamen Schutz. Schutzflächen werden von Klimakrise, intensiver Landwirtschaft, Bergbau und Zersiedelung bedroht. Der schweizerische bund für naturschutz und andere Organisationen erkennen zunehmend: Isolierte Schutzgebiete reichen nicht aus, um die Biodiversität langfristig zu erhalten.
Warum Verstehen der Schlüssel ist
Alle Lebewesen stehen in Beziehung zueinander und mit ihrer Umwelt. Diese einfache Erkenntnis verändert die Art und Weise, wie wir naturschutz betreiben müssen. Statt nur Gebiete abzugrenzen, müssen wir verstehen, wie Natur funktioniert.
Ökosysteme als komplexe Systeme
Ein Ökosystem besteht aus verschiedenen Teilen, die miteinander verknüpft sind. Diese Systemelemente interagieren ständig, wobei sich ihre Beziehungen gegenseitig beeinflussen. Lebewesen gehen Symbiosen ein und profitieren beidseitig voneinander, konkurrieren um Nahrung oder stehen in Räuber-Beute-Beziehungen. Huftiere transportieren beispielsweise Nährstoffe über grosse Distanzen und beeinflussen dadurch Bodenorganismen und Bodenprozesse.
Ökosysteme sind offene Systeme, die einen kontinuierlichen Energiefluss benötigen. Sie verharren nicht an festen Punkten, sondern entwickeln sich dynamisch auf verschiedenen räumlichen und zeitlichen Skalen. Systemdenker erkennen, dass ihr Bild von der Welt nie die ganze Wirklichkeit abbildet. Sie nehmen Zusammenhänge statt Einzelfakten wahr und sehen das Ganze statt Details.
Die Rolle von Artenvielfalt
Artenvielfalt ist der Motor der Ökosysteme. Die Prozesse in einem Ökosystem funktionieren umso besser, desto höher die biologische Vielfalt ist. Studien zeigen, dass der positive Effekt biologischer Vielfalt auf Ökosystemfunktionen in heterogener Umwelt um rund 20 Prozent höher ist. Schätzungsweise 60 Prozent der weltweiten Ökosysteme haben sich in den letzten 50 Jahren verschlechtert.
Pflanzenarten, die in einem Jahr selten sind, können im nächsten Jahr von grosser Bedeutung sein. Um die Produktivität einer Wiesengemeinschaft über sieben Jahre aufrechtzuerhalten, bedurfte es mehr als doppelt so vieler Pflanzenarten als für ein einzelnes Jahr. Nur mit der maximalen Artenzahl von 60 Pflanzenarten wurde die maximale Produktivität und Stabilität des Ökosystems in jedem Jahr erreicht. Höhere Artenvielfalt stellt eine Art Versicherung für zukünftige Funktion dar.
Natürliche Prozesse zulassen
Prozessschutz bedeutet das Aufrechterhalten natürlicher Prozesse in Form von dynamischen Erscheinungen auf der Ebene von Arten, Biozönosen, Ökosystemen und Landschaften. Diese Strategie markiert einen Wandel vom statischen zum dynamischen Ansatz, vom bewahrenden naturschutz hin zum Schutz natürlicher Entwicklungen.
Natürliche und nutzungsbedingte Störeinflüsse wie Sturm, Wildfeuer oder Schädlinge sind für die Entwicklungsdynamik von grosser Bedeutung. Die Sukzession beginnt von neuem, Regenerationszyklen werden realisiert oder modifiziert. Natürliche Selektion wird angeregt, sodass sich der Genpool der beteiligten Arten regenerieren kann und das dynamische Gleichgewicht des Ökosystems stabilisiert wird.
Zusammenhänge erkennen
Herausforderungen sind keine linearen Ursache-Wirkungs-Abläufe. Sie beinhalten vielfältige Faktoren, die unterschiedlich interagieren und sich gegenseitig durch selbstverstärkende oder ausgleichende Rückkopplungsschleifen beeinflussen. Wirkungsketten beschreiben, welche Elemente mit welchen zusammenhängen. Rückkopplungsschleifen sorgen für Stabilität in Systemen.
Landnutzungsänderungen und Klimawandel wirken sich auf die Zusammensetzung von Artengemeinschaften aus. Mit diesen Veränderungen verschieben sich auch Wechselwirkungen zwischen Arten in einem Ökosystem. Statistische Modelle können zukünftige Interaktionen zwischen Pflanzen und Pflanzenschädlingen in verändertem Klima voraussagen. Insofern ist das Verständnis dieser Zusammenhänge entscheidend, wenn wir begreifen wollen, wie globale Veränderungen unsere Ökosysteme in Zukunft beeinflussen werden.
Der Mensch als Teil der Natur
Hier der Mensch, dort die Natur: Diese gedankliche Trennung dominierte lange Natur- und Geisteswissenschaften. Doch wir können keine Grenze ziehen zwischen Mensch und Natur. Drei Viertel der Österreicher erkennen die Beziehungskrise und meinen, dass wir uns als Gesellschaft nicht mehr als Teil der Natur sehen. Der naturschutz schweiz und internationale Organisationen setzen deshalb auf einen Paradigmenwechsel.
Von der Trennung zur Verbindung
Die Konvention über die biologische Vielfalt sieht Partizipation als einen Weg, um die Verbindung zwischen Mensch und Natur zu stärken. Natur und Menschen sind schlussendlich untrennbar. Für traditionelle Bevölkerungen ist die Beziehung zur Natur ein Hauptbestandteil ihrer sozialen Organisationsform. Sie bringen sich in Debatten über biologische Vielfalt ein und versuchen, Thesen zu überwinden, die auf der Trennung von Mensch und Natur basieren.
Die relationale Wende läutet einen Paradigmenwechsel ein. Forschende arbeiten quer durch alle Wissenschaften an nichts weniger als einem Ende der Trennung von Kultur und Natur. Artenvielfalt ist nicht etwas Abstraktes, sondern die Grundlage unserer Lebensqualität im Alltag. Dementsprechend brauchen wir nicht nur naturschutz, sondern das Bewusstsein, dass wir ein Teil der Natur sind.
Lokale Gemeinschaften einbinden
Partizipation sollte allen Bevölkerungsgruppen Beteiligungs- und Berücksichtigungschancen eröffnen und darauf abzielen, marginalisierte Gruppen zu integrieren. Nur wenn wir uns alle für die Biodiversität engagieren, kann die Erhaltung der Natur funktionieren. Die fachstelle naturschutz und andere Institutionen erkennen zunehmend: Es geht insbesondere darum, die Erfahrungen von Menschen wie Gärtnerinnen oder Landwirten, welche in und mit der Natur arbeiten, besser in den naturschutz zu integrieren.
In der nepalesischen Region Terai betreiben lokale Gemeinschaften ökologische Gemeinschaftsforstwirtschaft und übernehmen eine Vorreiterrolle bei innovativen Entwicklungsinitiativen. Über 20.000 Hektar Wald- und Ackerflächen werden nun nachhaltig bewirtschaftet, mehr als 50.000 Menschen profitieren von gesünderen Ökosystemen. An Sensibilisierungsprogrammen nahmen über 1.500 Schülerinnen und Schüler teil, wobei 45 Prozent der Teilnehmenden Frauen waren.
In Raja Ampat wurden Einheimische rekrutiert, um mit Naturschutzorganisationen zu arbeiten. Nach Jahren des Ausbaus ihrer Fähigkeiten sind die Menschen vor Ort bereit, die Schutzbemühungen auf eigene Faust fortzusetzen.
Traditionelles Wissen nutzen
Indigene Menschen schützen 80 Prozent der Biodiversität der Erde, obwohl sie lediglich 6 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Indigene Völker bewohnen fast zwanzig Prozent unseres Planeten. Die Natur ist dort, wo Indigene Verantwortung tragen, in einem besseren Zustand als anderswo.
Traditionelles ökologisches Wissen (TEK) erforscht interdisziplinär, wie sich traditionelle Landnutzungen auf natürliche Ressourcen auswirken. Studien zeigen, dass traditionelle Landnutzungspraktiken der Hauptfaktor für die Entstehung und Erhaltung der ehemaligen Artenvielfalt waren. In Deutschland besteht jetzt Handlungsnotwendigkeit zur Erforschung von TEK, um diese Wissensgrundlage nicht zu verlieren.
Der schweizerische bund für naturschutz kann von diesem Ansatz lernen. Indigenes Wissen ergänzt das auf Messdaten basierende Wissen und leistet wichtige Beiträge zur Forschung.
Neue Ansätze in der Schweiz
In der Schweiz setzen verschiedene Akteure diese neuen Erkenntnisse in konkrete Massnahmen um. Von kantonalen Fachstellen bis zu grossen Naturschutzorganisationen entsteht ein Netzwerk, das Verstehen und Handeln verbindet.

Fachstelle Naturschutz und ihre Arbeit
Die Fachstelle Naturschutz im Kanton Zürich schützt und fördert die Vielfalt einheimischer Tier- und Pflanzenarten sowie deren Lebensräume. Ihre Arbeit erfolgt im Auftrag der Regierung und im Interesse gegenwärtiger und künftiger Generationen. Die Zahlen zeigen das Ausmass: 29 Hochmoore, 127 Flachmoore, 6 Moorlandschaften von nationaler Bedeutung, 1000 kantonal bedeutende Naturschutzgebiete und 7 national bedeutende Auengebiete liegen im Kanton Zürich.
Grundsätzlich koordiniert die Konferenz der Beauftragten für Natur- und Landschaftsschutz (KBNL) die Arbeit aller kantonalen Fachstellen. Sie besteht aus den Leitern der Fachstellen für Natur und Landschaft aller Kantone der Schweiz und fördert Information, Koordination sowie fachliche Zusammenarbeit. Diese Vernetzung stellt sicher, dass Erkenntnisse und Methoden schweizweit ausgetauscht werden.
Naturschutz und Landschaftsplanung verbinden
Genetische Methoden eröffnen neue Perspektiven für den naturschutz schweiz. Sie verraten beispielsweise, woher sich seltene Kröten zum Stelldichein treffen und wie gut vernetzt scheinbar isolierte Vorkommen des Auerhuhns sind. Die genetische Vielfalt ist einer der drei Pfeiler der Biodiversität, neben der Vielfalt von Arten und Lebensräumen.
Genetische Untersuchungen zur Förderung und zum Schutz von Arten sind mittlerweile oft nicht teurer als andere Methoden. Oftmals sind sie sogar die einzigen anwendbaren Methoden, um die Bewegung von Tieren in der Landschaft oder die Vernetzung lokal begrenzter Vorkommen abzuschätzen. In der Schweiz wird die Wanderung von Wölfen und anderen Tierarten anhand genetischer Analysen aus Haaren, Kot oder Speichel nachgewiesen.
Erfolgsbeispiele aus der Praxis
Das Naturschutzgebiet am Zusammenfluss von Thur und Rhein ist eine Erfolgsgeschichte für den naturschutz im Kanton Zürich. Seit der Renaturierung fühlen sich Biber und Eisvogel hier wieder wohl. Tatsächlich zeigt dieses Beispiel, wie Verstehen natürlicher Prozesse zu wirksamen Massnahmen führt.
Pro Natura arbeitet mit ihren Sektionen und über 3000 Freiwilligen tatkräftig an rund 250 Projekten. Diese Projekte fördern die Natur in allen Regionen der Schweiz ganz konkret. Amphibientümpel unter Strommasten, Moorrenaturierungen und Mitmachaktivitäten für Kinder gehören zu diesen Initiativen.
Schweizerischer Bund für Naturschutz
Pro Natura ist die führende Organisation für naturschutz in der Schweiz. 1909 hob die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft den Schweizerischen Bund für Naturschutz aus der Taufe. Das Ziel: Geld für die Schaffung des ersten Nationalparks der Schweiz sammeln. Am 1. August 1914 konnte der Schweizerische Nationalpark im Engadin nach wenigen Jahren Vorbereitungszeit gegründet werden. Pro Natura beteiligt sich noch heute finanziell am Nationalpark und hat drei Sitze in der Eidgenössischen Nationalparkkommission.
Darüber hinaus betreut Pro Natura rund 800 Naturschutzgebiete in der ganzen Schweiz. Dieses kostbare Netz von Naturperlen bietet Lebensräume für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Die Palette erstreckt sich vom kleinen Weiher über die duftende Blumenwiese bis zum grossen Wildnisgebiet.
Gemeinsam handeln statt nur schützen
Partizipation aller Betroffenen am Ökosystemmanagement ist nicht nur eine demokratische Notwendigkeit, sondern fördert auch Bewusstsein und Bildung über Biodiversität. Die Konvention über die biologische Vielfalt sieht diese Beteiligung auf allen Entscheidungsebenen vor. In der Praxis bedeutet das: naturschutz schweiz funktioniert nur, wenn wir alle Teil davon werden.
Bildung und Bewusstsein schaffen
Umweltbildung setzt sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt auseinander und ermöglicht den Erwerb von Kompetenzen zum nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Das Bundesamt für Umwelt fördert die Verankerung der Umweltbildung auf allen Stufen des schweizerischen Bildungssystems. Es leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der umweltpolitischen Ziele der Schweiz.
Die Zahlen zeigen: Das gesellschaftliche Bewusstsein für biologische Vielfalt ist von 25 Prozent in 2021 auf 38 Prozent in 2023 gestiegen. Gleichzeitig sehen 85 Prozent der Erwachsenen und 80 Prozent der Jugendlichen die Erhaltung und Wiederherstellung von Ökosystemen als vorrangige gesellschaftliche Aufgabe. Der WWF Schweiz weckt die Begeisterung für die Natur und baut Handlungskompetenzen für eine nachhaltige Entwicklung auf.
Politik und Gesellschaft einbeziehen
Umweltpolitik ist eng mit gesellschaftlichen Fragen und sozialen Belangen verbunden. Die Bewältigung globaler Umweltprobleme macht eine umfassende integrative und gesamtgesellschaftliche Anstrengung notwendig. Kooperative Instrumente suchen gemeinsame Problemlösungen mit den Beteiligten. Der Niedersächsische Weg zeigt beispielhaft, wie Akteure der Landwirtschaft, des Naturschutzes und der Politik gemeinsam ein Massnahmenpaket aushandeln.
Darüber hinaus unterstützen 88 Prozent der Erwachsenen und 84 Prozent der Jugendlichen staatliche Fördermassnahmen zum natürlichen Klimaschutz.
Jeder Beitrag zählt
Tausende engagieren sich freiwillig für den naturschutz: Pro Natura arbeitet mit über 3000 Freiwilligen. 2021 leisteten über 4400 Freiwillige mehr als 89’000 Stunden unentgeltliche Arbeit. Dein Einsatz bewirkt viel für die Biodiversität. Du unterstützt direkt den Erhalt und Aufbau naturnaher Lebensräume, stärkst das gesellschaftliche Bewusstsein und vernetzt dich mit Gleichgesinnten. Jede Stunde zählt für die Biodiversität.
Schlussfolgerung
Naturschutz funktioniert nur, wenn wir ökologische Zusammenhänge wirklich verstehen. Isolierte Schutzgebiete allein können die Biodiversität nicht langfristig sichern. Dementsprechend brauchen wir einen Wandel: vom statischen Bewahren zum dynamischen Verstehen, von der Trennung zwischen Mensch und Natur zur Verbindung.
Die Schweiz zeigt mit der fachstelle naturschutz, Pro Natura und innovativen Projekten, dass dieser Ansatz funktioniert. Bildung, Partizipation und das Einbeziehen traditionellen Wissens schaffen die Grundlage für wirksamen Schutz.
Letztendlich zählt jeder Beitrag. Wir alle sind Teil der Natur und können durch Verstehen und Handeln die Artenvielfalt für kommende Generationen erhalten.
FAQs
Q1. Welche Hauptziele verfolgt der traditionelle Naturschutz? Der traditionelle Naturschutz konzentriert sich auf drei zentrale Bereiche: den Schutz von Flächen durch die Ausweisung von Schutzgebieten, den Schutz einzelner bedrohter Arten und die Bewahrung natürlicher Ressourcen. Dieser Ansatz zielt darauf ab, bestimmte Naturzustände zu erhalten und vor menschlichen Eingriffen zu schützen.
Q2. Warum reicht die reine Bewahrung von Natur nicht mehr aus? Reine Bewahrung stösst an ihre Grenzen, weil Ökosysteme dynamische Systeme sind, die sich ständig verändern. Isolierte Schutzgebiete können die Biodiversität nicht langfristig sichern, da sie oft fragmentiert sind und natürliche Prozesse unterbinden. Zudem fehlt häufig das Verständnis für komplexe ökologische Zusammenhänge, die für das Funktionieren der Ökosysteme entscheidend sind.
Q3. Welche Rolle spielt Artenvielfalt für Ökosysteme? Artenvielfalt ist der Motor der Ökosysteme und sorgt dafür, dass ökologische Prozesse optimal funktionieren. Je höher die biologische Vielfalt, desto stabiler und produktiver ist ein Ökosystem. Verschiedene Arten übernehmen unterschiedliche Funktionen und sichern so die Widerstandsfähigkeit gegenüber Veränderungen – eine Art natürliche Versicherung für die Zukunft.
Q4. Warum ist es wichtig, den Menschen als Teil der Natur zu betrachten? Die Trennung zwischen Mensch und Natur ist künstlich und behindert wirksamen Naturschutz. Wenn wir uns als Teil der Natur verstehen, können wir lokale Gemeinschaften besser einbinden, traditionelles Wissen nutzen und nachhaltigere Lösungen entwickeln. Diese Verbindung stärkt das Bewusstsein für Biodiversität und fördert langfristig wirksame Schutzmassnahmen.
Q5. Wie kann jeder Einzelne zum Naturschutz beitragen? Jeder kann durch freiwilliges Engagement, Bildung und bewusstes Handeln zum Naturschutz beitragen. Ob durch die Teilnahme an Naturschutzprojekten, die Schaffung naturnaher Lebensräume im eigenen Garten oder die Unterstützung von Naturschutzorganisationen – jede Stunde und jede Aktion zählt für die Erhaltung der Biodiversität und stärkt das gesellschaftliche Bewusstsein.
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