
Naturschutz ist keine Option mehr, sondern eine existenzielle Notwendigkeit: Rund eine Million von geschätzten acht Millionen Tier- und Pflanzenarten sind akut vom Aussterben bedroht. Darüber hinaus sind bereits 75 Prozent der Landökosysteme und 40 Prozent der Meeresökosysteme durch den Menschen verändert. Folglich müssen wir jetzt handeln, um unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren.
In diesem Artikel zeigen wir, warum Naturschutz und Landschaftsplanung gemeinsam gedacht werden müssen, welche Rolle das Bundesamt für Naturschutz, Bund Naturschutz und Stiftung Naturschutz Berlin spielen, und wie auch Sie über Naturschutz Jobs oder ehrenamtliches Engagement einen Beitrag leisten können.
Warum Naturschutz heute dringender ist denn je
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Von den 166.000 erfassten Tier- und Pflanzenarten der Weltnaturschutzorganisation IUCN sind mittlerweile 46.300 mit einem Aussterberisiko eingestuft. Diese Entwicklung markiert das sechste Massenaussterben der Erdgeschichte, ausgelöst nicht durch Naturkatastrophen, sondern durch menschliche Aktivitäten.
Verlust der Artenvielfalt in erschreckendem Tempo
Das Tempo des weltweiten Artensterbens liegt bereits zehn- bis hundertmal höher als im Durchschnitt der letzten 10 Millionen Jahre. Die aktuelle Aussterberate übersteigt damit sogar die der Kreidezeit, als die Dinosaurier verschwanden. Ein Viertel der Säugetierarten, jede achte Vogelart, etwa 40 Prozent der Haie, Rochen und Amphibienarten sind bedroht.
In der Schweiz sind rund ein Drittel aller für Rote Listen untersuchten Arten gefährdet. Deutschland verzeichnet ähnlich alarmierende Entwicklungen: Ein Viertel der heimischen Pflanzen-, Pilz- und Tierarten ist in seinem Bestand gefährdet. Insbesondere kaltwasserliebende Fisch- und Krebsarten sowie Arten mit feuchten Lebensraumansprüchen geraten unter Druck. Jede zweite Amphibienart und mehr als zwei Drittel der Reptilienarten sind bestandsgefährdet.
Die Biomasse an Insekten ist innerhalb von 27 Jahren um mehr als 75 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig starben in den vergangenen 42 Jahren in Europa über 600 Millionen Vögel aus. Diese Verluste betreffen nicht nur einzelne Arten, sondern destabilisieren ganze Nahrungsketten und ökologische Systeme.
Klimawandel und seine Auswirkungen auf Ökosysteme
Der Klimawandel verstärkt den Druck auf die Artenvielfalt erheblich. Gesunde Ökosysteme speichern an Land und im Meer 5,6 Gigatonnen Kohlenstoff pro Jahr, was etwa 60 Prozent der durch den Menschen verursachten Treibhausgasemissionen entspricht. Werden Wälder abgeholzt oder Moore trockengelegt, werden diese Gase freigesetzt und verstärken den Klimawandel.
Die Oberflächentemperatur der Weltmeere hat um durchschnittlich 0,6 Grad Celsius zugenommen, in der Nordsee betrug die Erwärmung alleine in den letzten 25 Jahren 1,25 Grad Celsius. Diese Veränderungen führen zur Korallenbleiche, da die symbiotischen Algen bei erhöhten Temperaturen abgestossen werden. Seit 1870 haben wir die Hälfte der lebenden Korallen verloren, und in den vergangenen 300 Jahren sind 85 Prozent der Feuchtgebiete der Welt verschwunden.
Selbst wenn die globale Erwärmung auf zwei Grad beschränkt bleibt, würden fünf Prozent der Arten alleine durch den Klimawandel aussterben[2]. Bei mehr als vier Grad Erwärmung steigt diese Zahl auf über 16 Prozent aller Arten.
Flächenverbrauch durch menschliche Nutzung
Die Siedlungs- und Verkehrsfläche ist in Deutschland in den Jahren 2021 bis 2024 um durchschnittlich 50 Hektar am Tag gewachsen. Zum Vergleich: Diese Fläche entspricht etwa der Grösse Vatikanstadts mit 44 Hektar. Von 1992 bis 2024 dehnte sich die Fläche für Siedlung und Verkehr von 40.305 auf 52.266 Quadratkilometer aus, ein Anstieg um 29,7 Prozent.
Derzeit werden 14,6 Prozent der Bodenfläche Deutschlands für Siedlungs- und Verkehrszwecke verwendet. Etwa 45 Prozent dieser Flächen sind versiegelt, bebaut, betoniert oder asphaltiert. Infolgedessen gehen wichtige Bodenfunktionen wie Wasserdurchlässigkeit und Bodenfruchtbarkeit verloren. Der Zuwachs vollzog sich zu Lasten der landwirtschaftlich genutzten Fläche.
In der Schweiz verschwindet durch Versiegelung jede Sekunde mehr als ein halber Quadratmeter Boden. Pro Jahr gehen fast 18 Quadratkilometer verloren, mehr als die Fläche des Sempachersees. Rund die Hälfte dieses Verlusts entfällt auf Landwirtschaftsflächen.
Naturschutz als Gemeinschaftsaufgabe verstehen
Die Bewältigung der Naturschutzkrise erfordert strukturierte Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Naturschutz ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Kanton und Gemeinden. Diese Erkenntnis prägt das Fundament unseres Naturschutzsystems.
Rolle der Bundesbehörden und des Bundesamt für Naturschutz
Das Bundesamt für Naturschutz nimmt als Bundesoberbehörde fachliche, wissenschaftliche und administrative Aufgaben im Naturschutz und in der Landschaftspflege wahr. Wir verstehen das BfN als zentrale Behörde des Bundes für den nationalen und internationalen Naturschutz. Die wissenschaftliche Behörde berät die Bundesregierung auf der Grundlage aktueller Forschungserkenntnisse und liefert fundierte Entscheidungsgrundlagen.
Das BfN fördert Projekte von Initiativen, Verbänden, wissenschaftlichen Einrichtungen und anderen Akteuren, die dem Naturschutz und der Landschaftspflege dienen. Gleichzeitig betreut die Behörde den Bundesnaturschutzfonds mit Förderprogrammen wie dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt, Naturschutzgrossprojekten und dem Wildnisfonds. Durch den engen Kontakt zu regionalen und lokalen Institutionen stellen die Projekte sicher, dass die Interessen der Menschen vor Ort einfliessen.
Aufgaben von Bund Naturschutz und regionalen Organisationen
Der Bund Naturschutz in Bayern hat rund 270.000 Mitglieder und Förderer. Jedes Mitglied gehört zu einer Kreisgruppe vor Ort und kann dort mitentscheiden und mitwirken. Mit seinen 76 Kreisgruppen ist der Verband überall in Bayern präsent. Diese flächendeckende Struktur ermöglicht es, Entwicklungen vor Ort schnell zu erkennen und direkt darauf einzugehen.
Die aktiven Mitglieder der örtlichen Gruppen organisieren Aktionen und Projekte zu aktuellen Umweltthemen der Region, verschaffen sich eine Stimme in der Lokalpolitik zum Wohle von Mensch und Natur und bieten Informationsveranstaltungen an. Die Delegiertenversammlung mit rund 300 Delegierten ist das höchste Gremium und legt die Grundlinien der Verbandspolitik fest. Naturschutz braucht oft einen langen Atem, manchmal benötigt es Jahrzehnte, bis ein Ziel erreicht ist.
Zusammenarbeit zwischen Staat, Gemeinden und Privatpersonen
Der Kanton Zürich berät die Gemeinden zu ihren kommunalen Naturschutzaufgaben. Als selbständige Bundesoberbehörde arbeitet das BfN eng mit den Länderfachbehörden zusammen. Für globale Organisationen ist es elementar, die Naturschutzarbeit vor Ort gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung anzugehen und umzusetzen. Infolgedessen tragen wir gemeinsam mit den Menschen zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei und schützen ihre Lebensgrundlagen.
Bedeutung von Stiftungen wie Stiftung Naturschutz Berlin
Die Stiftung Naturschutz Berlin wurde 1981 vom Abgeordnetenhaus von Berlin als Stiftung des öffentlichen Rechts gegründet. Inzwischen ist das Team auf über 110 Mitarbeitende angewachsen und wird von vielen Freiwilligen unterstützt. Die Leitung erfolgt durch die hauptamtliche Geschäftsführung.
Die Stiftung finanziert sich durch die Erträge ihres Stiftungskapitals, die institutionelle Förderung der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz sowie durch Förderer und Spendeneinnahmen. Darüber hinaus hat sie seit 1982 bereits 2.766 Förderanträge beschieden. Die Koordinierungsstelle Fauna erfasst gefährdete Tierarten und entwickelt Schutzmassnahmen in enger Zusammenarbeit mit den Berliner Naturschutzbehörden. Ebenso ermittelt die Koordinierungsstelle Florenschutz im Auftrag der Senatsverwaltung den Bestand von seltenen Pflanzenarten in Berlin.
Das Freiwillige Ökologische Jahr ermöglicht jungen Menschen, in mittlerweile 190 verschiedenen Einsatzstellen im Natur- und Umweltschutz tätig zu sein. Wer Interesse an Naturschutz Jobs hat, findet hier vielfältige berufliche Perspektiven. Seit Oktober 2019 koordiniert die Stiftung in Zusammenarbeit mit elf Berliner Bezirken das bundesweit neuartige Projekt Stadtnatur-Ranger mit insgesamt 22 Rangerinnen und Rangern.
Konkrete Handlungsfelder für wirksamen Naturschutz
Wirksamer Naturschutz braucht konkrete Massnahmen statt guter Absichten. Die EU-Verordnung über die Wiederherstellung der Natur gibt uns einen klaren Fahrplan vor.
Schutzgebiete ausweiten und vernetzen
In Europa befinden sich 81 Prozent der geschützten natürlichen Lebensräume in einem schlechten Zustand. Die EU-Mitgliedstaaten sind per Gesetz verpflichtet, bis 2030 mindestens 20 Prozent der europäischen Land- und Meeresflächen zu renaturieren und bis 2050 alle geschädigten Ökosysteme wiederherzustellen. Deutschland wird im nationalen Wiederherstellungsplan darlegen, welchen Beitrag wir zu diesem gemeinschaftlichen 20-Prozent-Ziel leisten werden.
Die Verordnung benennt ganz im Gegenteil in Artikel 1 explizit das Ziel, zur Verbesserung der Ernährungssicherheit beizutragen. Dabei müssen Hindernisse beseitigt werden, um europaweit mindestens 25.000 frei fliessende Flüsse bis 2030 wiederherzustellen. Durch die Entfernung der Hindernisse können Fische wieder frei wandern und die Artenvielfalt der Flüsse und Auen wird verbessert.
Der Biotopverbund besteht aus Kernflächen, Verbindungsflächen und Verbindungselementen. Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt vor, dass ein Netz verbundener Biotope geschaffen wird, das mindestens zehn Prozent der Fläche eines jeden Landes umfassen soll. Die Mitgliedstaaten müssen Massnahmen festlegen, die die Vernetzung von Lebensräumen fördern, damit sich wildlebende Tiere zwischen ihnen bewegen können.

Naturschutz und Landschaftsplanung in der Praxis
Die Landschaftsplanung wurde bereits 1976 mit dem Bundesnaturschutzgesetz bundesweit eingeführt. Sie ist das zentrale Planungsinstrument von Naturschutz und Landschaftspflege und hat die Ziele auf örtlicher und überörtlicher Ebene räumlich zu konkretisieren. Dabei werden der aktuelle Zustand von Natur und Landschaft analysiert und bewertet, Ziele für den jeweiligen Planungsraum bestimmt und konkrete Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmassnahmen festgelegt und umgesetzt.
Die Inhalte der Landschaftsplanung sind in allen Planungen und Verwaltungsverfahren zu berücksichtigen, deren Entscheidungen sich auf Natur und Landschaft im Planungsraum auswirken können. Wenn ihnen nicht Rechnung getragen werden kann, ist dies zu begründen.
Lebensräume erhalten und wiederherstellen
6.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterzeichneten ein Papier, das die Wiederherstellungsverordnung als unverzichtbaren Beitrag zur Ernährungssicherheit in Zeiten des Klimawandels benennt. Deutschland und die anderen EU-Mitgliedstaaten haben bis September 2026 Zeit, unter breiter Beteiligung von Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft nationale Wiederherstellungspläne zu erarbeiten und umzusetzen.
Ziel ist es, bis 2030 EU-weit Wiederherstellungsmassnahmen für mindestens 30 Prozent der Lebensräume einzuleiten, bis 2040 auf 60 Prozent und bis 2050 auf 90 Prozent der Lebensräume zu erstrecken. Die Wiedervernässung auf landwirtschaftlichen Flächen bleibt für Landwirtinnen und Landwirte sowie private Landbesitzende freiwillig. Durch eine Bewirtschaftung in Paludikultur werden Moorökosysteme bei gleichzeitiger Nutzung wiederhergestellt und es findet eine deutliche Reduktion der Treibhausgasemissionen statt.
Artenschutzprogramme gezielt umsetzen
Das Nationale Artenhilfsprogramm (nAHP) ist ein Förderprogramm, das insbesondere dem Schutz von Arten dient, die vom Ausbau der erneuerbaren Energien an Land und auf See besonders betroffen sind. Schwerpunkt der Projektförderung sind Vorhaben, die der Umsetzung von Massnahmen für Arten in der Fläche dienen.
In Nordrhein-Westfalen sind 44,4 Prozent der untersuchten Tier-, Pilz- und Pflanzenarten auf der Roten Liste gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Das Land fördert sie mit verschiedenen Artenhilfsprogrammen in unterschiedlichen Trägerschaften, etwa durch die Kreise und kreisfreien Städte, Naturschutzverbände, Biologische Stationen oder Landschaftsstationen.
Wie jeder Einzelne zum Naturschutz beitragen kann
Jeder von uns kann zum Schutz der Natur beitragen, unabhängig von beruflichem Hintergrund oder verfügbarer Zeit. Die Möglichkeiten reichen vom gelegentlichen Einsatz bis zur hauptberuflichen Tätigkeit im Naturschutz.
Ehrenamtliches Engagement in Naturschutzorganisationen
Beim NABU engagieren sich rund 85.000 Ehrenamtliche, die in etwa 2.000 NABU-Gliederungen organisiert sind. Pro Jahr leisten diese Freiwilligen etwa drei Millionen Stunden uneigennützige Arbeit für unsere Natur und Umwelt. Der BUND ist mit mehr als 2.000 Ortsgruppen bundesweit präsent. Die Schwerpunkte liegen auf praktischer Naturschutzarbeit wie der Pflege von Streuobstwiesen und Moorflächen.
Vorkenntnisse sind keine Voraussetzung für ein Engagement im Naturschutz. Einzig der Wunsch und die Bereitschaft etwas für die Natur tun zu wollen, sollte vorhanden sein. In der Schweiz setzen sich bei Pro Natura rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie über 3.000 Freiwillige für den Naturschutz ein. Die Stiftung Naturschutz Berlin ermöglicht jungen Menschen, in mittlerweile 190 verschiedenen Einsatzstellen im Natur- und Umweltschutz tätig zu sein.
Naturschutz Jobs und berufliche Perspektiven
In den letzten Jahren ist der Bedarf an talentierten und motivierten Nachwuchskräften stark angestiegen. Absolventinnen und Absolventen können hier aus einer grossen Anzahl an neu entstehenden Tätigkeitsfeldern auswählen. Nicht nur Non Profit-Organisationen und Forschungseinrichtungen sind potenzielle Arbeitgeber, auch privatwirtschaftliche Unternehmen und Behörden haben Schnittstellen zu diesem Themenfeld.
Wer als Beamtin oder Beamter in der Umweltverwaltung arbeiten möchte, braucht mindestens einen Masterabschluss in einem relevanten technischen oder naturwissenschaftlichen Fach. Doch auch Kommunikationstalente finden beispielsweise als Fundraiserin oder Campaigner in Umweltschutzorganisationen spannende berufliche Perspektiven.
Alltagsentscheidungen mit Naturschutzwirkung
Nachhaltiger Konsum bedeutet, hier und heute so zu leben, dass überall und auch in Zukunft alle Menschen so leben können. Dabei wird nur so viel Holz geschlagen, wie nachwächst, und nur so viel CO2 ausgestossen, wie die Pflanzen auf der Erde für ihr Wachstum aufnehmen.
Bildung und Bewusstseinsbildung fördern
Umweltbildung und Naturvermittlung sind entscheidend, um Menschen zu sensibilisieren und eine emotionale Bindung zur Natur zu fördern. Durch direkte Naturerfahrungen entwickeln insbesondere Kinder ein tieferes Verständnis für ökologische Zusammenhänge. Übergeordnete Ziele der Umweltbildung des NABU sind vor allem Aufklärung, Akzeptanzförderung und Sensibilisierung für Naturschutz-Massnahmen.
Erfolgreiche Beispiele und der Weg nach vorne
Konkrete Erfolge zeigen, dass Naturschutz funktioniert, wenn politischer Wille und finanzielle Mittel zusammenkommen. Die Basis wurde bereits in den vergangenen Jahrzehnten gelegt.
Erfolgsmodelle aus Deutschland und der Schweiz
Mit dem Nationalparkprogramm der DDR konnten 1990 allein 14 neue Grossschutzgebiete dauerhaft unter Schutz gestellt werden. Insgesamt gibt es in Deutschland heute über 138 Grossschutzgebiete: 16 Nationalparke, 18 Biosphärenreservate und 104 Naturparke. Somit stehen rund ein Drittel der Landesfläche unter Schutz. Das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 umfasst alleine rund 15 Prozent der Landesfläche und rund 45 Prozent der Meeresflächen in Deutschland.
Der Bund hat im Rahmen des Nationalen Naturerbes bisher rund 156.000 Hektar wertvolle Naturschutzflächen von einer Privatisierung ausgenommen und für den Naturschutz gesichert. Durch gezielte Artenhilfsprogramme haben eine Reihe von ehemals besonders gefährdeten Arten wie Weissstorch, Seeadler, Fischotter oder Grosses Mausohr einen positiven Bestandstrend. Im Zeitraum von 1979 bis 2026 förderte der Bund insgesamt 93 Naturschutzgrossprojekte mit einer Gesamtfläche der Fördergebiete von rund 4300 Quadratkilometern.
In der Schweiz konnte der Kanton Zürich 2025 die Biodiversitätsförderung markant verstärken, indem gegenüber 2024 mehr Projekte und Massnahmen im Umfang von rund 6,5 Millionen Franken umgesetzt werden konnten. Der Gesamtaufwand betrug 33,2 Millionen CHF. Deutliche Steigerungen wurden vor allem bei der Betreuung und dem Unterhalt in den rund 1000 kantonalen Naturschutzgebieten, bei der Wiederherstellung von Mooren und in der spezifischen Förderung von besonders gefährdeten Tier- und Pflanzenarten realisiert.
Finanzierung und Ressourcen für Naturschutzprojekte
Das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit fördert auf Basis unterschiedlicher Förderprogramme zahlreiche Projekte mit dem Ziel, Umweltbelastungen zu verringern. Der Bund fördert Naturschutzgrossprojekte durch die Bundesförderung “chance.natur” mit derzeit 12,8 Millionen Euro. Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt konnte seine Mittelausstattung von ursprünglich 15 Millionen im Jahr 2011 auf mittlerweile 45 Millionen steigern.
Monitoring und Erfolgskontrolle
Erfolgskontrollen im Naturschutz untersuchen den Vollzug und messen die Wirkungen, welche erzielt werden. Sie liefern Kennzahlen, um festzustellen, ob ein Ziel mit entsprechenden Sollwerten erreicht worden ist. Bei der Erfolgskontrolle werden drei Dimensionen unterschieden: Zielkontrolle, Wirkungskontrolle sowie Umsetzungs- und Verfahrenskontrolle. Die zentrale Frage zur Wirksamkeit lautet: Werden die geplanten Zustandsänderungen in Natur und Landschaft überhaupt erreicht und in welchem Ausmass.

Zukunftsfähige Strategien entwickeln
Die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt mit ihren rund 330 Zielen und 430 Massnahmen hat einen breiten Dialogprozess ausgelöst. Fast alle Bundesländer und viele Kommunen haben inzwischen eigene Strategien zur Erhaltung der biologischen Vielfalt entwickelt. Die Fortentwicklung der NBS, die NBS 2030, soll 2024 durch das Bundeskabinett beschlossen werden. Dennoch reichen punktuelle Erfolge nicht aus, um die Verluste zu kompensieren, die vorwiegend auf mangelnde Fläche, Bodenversiegelung, intensive Nutzung sowie Stickstoff- und Pflanzenschutzmitteleinträge zurückzuführen sind.
Fazit
Naturschutz ist tatsächlich keine abstrakte Aufgabe für die Zukunft, sondern eine dringende Notwendigkeit für heute. Die Zahlen zeigen uns unmissverständlich: Wir stehen vor der grössten Biodiversitätskrise der Menschheitsgeschichte. Dennoch haben wir Ihnen gezeigt, dass Erfolge möglich sind, wenn wir gemeinsam handeln.
Alles in allem liegt es jetzt an uns allen, ob durch ehrenamtliches Engagement, bewusste Konsumentscheidungen oder berufliche Tätigkeit im Naturschutz. Die Infrastruktur existiert bereits: Bundesamt für Naturschutz, regionale Organisationen wie Bund Naturschutz, Stiftungen und zahlreiche Naturschutz Jobs warten auf motivierte Menschen. Infolgedessen haben Sie heute die Möglichkeit, aktiv zu werden und einen messbaren Beitrag zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen zu leisten.
FAQs
Q1. Wie viele Tier- und Pflanzenarten sind weltweit vom Aussterben bedroht? Rund eine Million von geschätzten acht Millionen Tier- und Pflanzenarten sind akut vom Aussterben bedroht. Von den 166.000 erfassten Arten der Weltnaturschutzorganisation IUCN sind mittlerweile 46.300 mit einem Aussterberisiko eingestuft. Das aktuelle Tempo des Artensterbens liegt zehn- bis hundertmal höher als im Durchschnitt der letzten 10 Millionen Jahre.
Q2. Welche Aufgaben hat das Bundesamt für Naturschutz? Das Bundesamt für Naturschutz ist die zentrale Bundesoberbehörde für nationalen und internationalen Naturschutz. Es nimmt fachliche, wissenschaftliche und administrative Aufgaben wahr, berät die Bundesregierung auf Grundlage aktueller Forschungserkenntnisse und fördert Projekte von Initiativen, Verbänden und wissenschaftlichen Einrichtungen. Zudem betreut es den Bundesnaturschutzfonds mit verschiedenen Förderprogrammen.
Q3. Wie kann ich mich ehrenamtlich im Naturschutz engagieren? Beim NABU engagieren sich rund 85.000 Ehrenamtliche in etwa 2.000 Gliederungen, der BUND ist mit über 2.000 Ortsgruppen bundesweit präsent. Vorkenntnisse sind keine Voraussetzung – einzig der Wunsch, etwas für die Natur zu tun, sollte vorhanden sein. Die Tätigkeiten reichen von praktischer Naturschutzarbeit wie der Pflege von Streuobstwiesen bis hin zu Bildungsangeboten.
Q4. Wie viel Fläche wird in Deutschland täglich für Siedlung und Verkehr verbraucht? Die Siedlungs- und Verkehrsfläche ist in Deutschland in den Jahren 2021 bis 2024 um durchschnittlich 50 Hektar am Tag gewachsen. Das entspricht etwa der Grösse Vatikanstadts. Derzeit werden 14,6 Prozent der Bodenfläche Deutschlands für Siedlungs- und Verkehrszwecke verwendet, wobei etwa 45 Prozent dieser Flächen versiegelt sind.
Q5. Welche Ziele verfolgt die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur? Die EU-Mitgliedstaaten sind verpflichtet, bis 2030 mindestens 20 Prozent der europäischen Land- und Meeresflächen zu renaturieren und bis 2050 alle geschädigten Ökosysteme wiederherzustellen. Konkret sollen bis 2030 Wiederherstellungsmassnahmen für mindestens 30 Prozent der Lebensräume eingeleitet werden, bis 2040 auf 60 Prozent und bis 2050 auf 90 Prozent ausgeweitet werden.





















