Wälder absorbieren jährlich rund 7,6 Milliarden Tonnen CO₂, etwa 20 Prozent der globalen Emissionen, und machen Waldschutz zu einem unverzichtbaren Instrument im Kampf gegen die Klimakrise. Gleichzeitig bedrohen Dürren, Starkregen und Überschwemmungen weltweit Menschen, Tiere und Pflanzen, während unsere Wälder, die 31 Prozent der Landesfläche bedecken, vor Erosion schützen und die Biodiversität fördern. In diesem Artikel zeigen wir bewährte Strategien für nachhaltige Waldbewirtschaftung, Wasserschutz durch intelligentes Waldmanagement und stellen Initiativen wie Waldschutz Schweiz und FVA Waldschutz vor, die Ökosysteme langfristig sichern.
Warum Waldschutz entscheidend für Ökosysteme und Gewässer ist
Die Funktionen gesunder Waldökosysteme greifen wie Zahnräder ineinander und bilden ein komplexes Netzwerk aus Wasser-, Kohlenstoff- und Nährstoffkreisläufen. Waldschutz sichert nicht nur einzelne Baumbestände, sondern erhält diese fundamentalen Ökosystemleistungen, von denen Mensch und Natur gleichermassen abhängen.
Wälder als natürliche Wasserspeicher
Waldböden funktionieren wie gigantische Schwämme. Ein Hektar gesunder, tiefgründiger Waldboden speichert weit über 1 Million Liter Wasser. Diese enorme Kapazität ergibt sich aus der Porigkeit des Bodens, die durch Wurzelsysteme und Humusbildung entsteht. Im Wald trifft Niederschlag zunächst auf Baumkronen, die bis zu vier Liter pro Quadratmeter zurückhalten können. Das versickernde Wasser durchläuft dabei mehrere Bodenschichten, die mechanisch, biologisch und chemisch reinigen.
Rund die Hälfte der Grundwasserschutzzonen der Schweiz liegt im Wald. In Deutschland sind über 40 Prozent der Trinkwasserschutzgebiete in Wäldern angelegt, etwa 60 Prozent des Grundwassers profitieren vom schützenden Einfluss der Wälder. Trinkwasser aus bewaldeten Einzugsgebieten weist meist besonders niedrige Nitratwerte auf. Während Nadelbäume wie Kiefer oder Fichte viel Wasser über ihre Nadeln verdunsten und weniger in den Boden leiten, fördern Laubmischwälder die Grundwasserneubildung deutlich stärker. Rotbuchen leiten beispielsweise besonders viel Wasser in den Boden.
Kohlenstoffbindung und Klimaregulierung
Wälder bedecken 30 Prozent der Landoberfläche und speichern etwa die Hälfte des auf der Erde gebundenen Kohlenstoffs in ihrer Vegetation. Zusammen mit den Kohlenstoffmengen in Waldböden übersteigt dies sogar die Kohlenstoffmenge in der Atmosphäre. In der lebenden Biomasse deutscher Wälder sind rund 1.230 Millionen Tonnen Kohlenstoff gespeichert, entsprechend circa 4.500 Millionen Tonnen absorbiertem CO₂.
Darüber hinaus erfüllen Wälder wichtige Klimafunktionen durch Verdunstung und Wasserkreisläufe. Zusammenhängende Waldflächen wirken wie natürliche Klimaanlagen. Bäume setzen die auf ihre Kronen einstrahlende Sonnenenergie in Wasserdampf um, der einen kühlenden Effekt auf die Atmosphäre ausübt. Bei bewachsenen Flächen fliessen über 70 Prozent der Sonnenenergie in die Verdunstung von Wasser, nur 5 bis 10 Prozent in fühlbare Wärme. Zwischen 40 und 70 Prozent der weltweiten Niederschläge über Land stammen aus diesen Verdunstungsprozessen.
Biodiversität und Lebensraumfunktion
Mehr als 40 Prozent der in der Schweiz vorkommenden Tiere und Pflanzen sind auf den Wald als Lebensraum angewiesen, insgesamt gut 25.000 Arten. Der Schweizer Wald bietet mit 120 Waldtypen eine enorme Lebensraumvielfalt. Für die Biodiversität im Wald spielt Totholz eine Schlüsselrolle: Rund ein Viertel aller Waldarten ist zwingend auf Totholz angewiesen, bezieht man alle profitierenden Arten ein, steigt dieser Wert auf 50 bis 70 Prozent.
In deutschen Wäldern sind 34 Millionen Tonnen Kohlenstoff in Totholz gespeichert, das entspricht 3,1 Tonnen pro Hektar. Alt- und Totholz bieten Lebensgrundlage für tausende von Tier-, Pflanzen-, Pilz-, Moos- und Flechtenarten. Strukturreiche Waldbestände mit grossen, alten Bäumen stellen zahlreiche Ökosystemleistungen wie Kohlenstoffspeicherung und biologische Schädlingsregulierung bereit.
Schutz vor Naturgefahren
Wälder schützen in der Schweiz mehr als 40 Prozent aller Siedlungen, Verkehrswege und Infrastrukturen vor Naturgefahren. Der volkswirtschaftliche Wert dieser Schutzwirkung wird auf über 4 Milliarden Franken pro Jahr geschätzt. Insbesondere stabilisieren Wurzelsysteme steile Hänge und schützen vor Steinschlag, Lawinen und Erosion.
Die positive Waldwirkung gegenüber Oberflächenerosion beruht im Wesentlichen auf der Armierung des Bodens durch das Wurzelwerk der Bäume und der Krautvegetation. Eine geschlossene Vegetation vermindert zudem die laufende Verwitterung und Destabilisierung des Lockergesteins. Waldböden können bis zu sechs Mal mehr Wasser speichern als andere Bodenoberflächen, wodurch sie Hochwasser verhindern und auch in trockenen Zeiten die Wasserversorgung sicherstellen.
Bewährte Strategien für nachhaltige Waldbewirtschaftung
Nachhaltige Waldbewirtschaftung entnimmt Holz und Ressourcen in einem Mass, das die Vitalität und Regenerationsfähigkeit nicht gefährdet, sondern mit gezielten Massnahmen sogar fördert. Die Schweiz und Deutschland haben dementsprechend Konzepte entwickelt, die ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Ansprüche aufeinander abstimmen.
Naturnahe Waldentwicklung fördern
Naturnahe Waldbewirtschaftung setzt auf die Regenerationskraft des Waldes selbst. Naturverjüngung bildet dabei das Fundament, wo notwendig ergänzt durch Pflanzung klimaverträglicher Baumarten. Die Jungwaldpflege schafft Bestände, die widerstandsfähig oder zumindest resilient gegenüber Trockenheit und Stürmen sind. Klimasensitive Bestände werden durch Erhöhung der Baumarten-, Struktur- und genetischen Vielfalt angepasst, teilweise auch durch Verkürzung der Umtriebszeit. Entwickelt sich eine Naturverjüngung mit zu wenigen klimatoleranten Baumarten, wird diese gezielt angereichert. Diese Anreicherungskultur hilft, sparsam mit Pflanzenmaterial umzugehen, sodass Kulturflächen aus mehreren Baumarten entstehen können.
Alt- und Totholz erhalten
Totholzmanagement bringt betriebswirtschaftliche und naturschutzfachliche Vorteile gleichermassen. In der Schweiz gelten Sollgrössen von 20 m³/ha für Jura, Mittelland und Alpensüdseite sowie 25 m³/ha für Voralpen und Alpen bis 2020. Optimale Alt- und Totholzförderung erreicht 2 Altholzinseln pro km² und 3 bis 5 Biotopbäume pro Hektar, wobei Altholzinseln durchschnittlich 1 ha gross sind und somit 2 bis 3 Prozent der Waldfläche ausmachen. Die räumliche Konzentration unbeeinflusst alternder Bäume lässt kleinflächig Totholzmengen von 30 m³/ha und mehr erwarten, ein Schwellenwert, unterhalb dessen die Vielfalt an Altholzarten rasch abnimmt. Biotopbäume mit hohem Stammdurchmesser oder ökologisch wertvollen Merkmalen werden bezeichnet und verbindlich gesichert, wo möglich bis zum Zerfall stehengelassen. Aus Sicherheitsgründen gefällte Biotopbäume verbleiben als liegendes Totholz im Bestand.
Klimaresiliente Baumarten integrieren
Die Baumartenauswahl berücksichtigt klimatische Veränderungen durch sogenannte Klimahüllen, modellierte klimatische Wohlfühlbereiche der Baumarten. Bayern entwickelte Leitlinien mit insgesamt 110 Baumarten, davon 39 heimische und 71 alternative aus anderen Ländern, wobei 16 alternative für forstlichen Anbau ausdrücklich nicht empfohlen werden. Die Fichte eignet sich beispielsweise mit geringer Temperaturtoleranz unter 17 Grad Sommer vor allem für höhere Lagen der Alpen und Mittelgebirge. Knapp 20 heimische Baumarten weisen hohe bis sehr hohe Temperaturtoleranzstufen auf. Grundsätzlich sollte die Baumartenpalette heimischer und seltener heimischer Baumarten ausgeschöpft werden, bevor alternative Baumarten kleinflächig und im bemessenen Umfang beteiligt werden. Die Versorgung mit herkunftsgesichertem Pflanzgut bleibt knapp, insbesondere bei 230.000 Hektar Wiederaufforstungsfläche deutschlandweit.
Waldreservate und Schutzgebiete ausweisen
Waldreservate sind langfristig für mindestens 50 Jahre entweder forstlich ungenutzt oder nur mit gezielten Eingriffen bewirtschaftet. Naturwaldreservate überlassen der natürlichen Dynamik freien Lauf und schützen Alterungsprozesse mit Habitatbäumen und Totholz. Sonderwaldreservate erhalten mit periodischen Eingriffen seltene Arten, Waldgesellschaften oder historische Nutzungsformen. Die Schweiz erreichte Ende 2018 mit 46.199 ha Naturwaldreservaten 3,5 Prozent der Waldfläche, das waldpolitische Ziel liegt bei 10 Prozent bis 2030. Deutschland strebt an, 5 Prozent der Waldfläche natürlicher Entwicklung zu überlassen, wobei 2020 erst 3,1 Prozent dauerhaft gesichert waren.
Wasserschutz durch intelligentes Waldmanagement
Klimawandel zwingt uns zum Umdenken in der Waldbewirtschaftung. Starkregen und verlängerte Trockenphasen gefährden wichtige Ökosystemleistungen wie Hochwasser- und Bodenschutz sowie die Bereitstellung von Trinkwasser. Intelligentes Waldmanagement setzt daher auf dezentrale Rückhaltung und Speicherung von Niederschlagswasser, um diese Auswirkungen abzumildern.
Renaturierung von Wassereinzugsgebieten
Feuchte Waldstandorte wurden ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwässert, um Hochwasserschutz zu verbessern oder Holzertrag zu steigern. Begradigte Flüsse und verzweigte Grabennetze leiteten Wasser möglichst schnell ab, wodurch der Wald in seinen ursprünglichen Funktionen als Wasser- und CO₂-Speicher eingeschränkt wurde. Im Kontext zunehmender Extremereignisse beschloss der Regierungsrat des Kantons Aargau Ende 2024, bis 2040 rund 300 Hektaren ursprünglich feuchter Wald wiederherzustellen.
Das Schliessen und Rückbauen historischer Entwässerungsgräben stärkt die Wasserspeicherung in Waldgebieten deutlich. Bei Waldmooren sind aktive wasserbauliche Massnahmen zur Wiedervernässung nötig. Wichtigste Massnahme zur Verbesserung des Moorzustands bleibt in der Regel eine Grabenverfüllung, in speziellen Fällen auch ein Anstau oder Überstau. Gegenüber landwirtschaftlich genutzten Mooren im Offenland haben Waldmoore meist günstigere Renaturierungsperspektiven, da sie weniger tief entwässert und selten tief umgebrochen wurden.
Erosionsschutz durch Aufforstung
Aufforstung kann Dürren mildern und Niederschlagsmengen steigern. Klimaforschende der ETH Zürich wiesen erstmals mit Beobachtungsdaten für Europa nach, dass Wälder Niederschläge begünstigen. Würden verfügbare Landwirtschaftsflächen aufgeforstet, könnte die Niederschlagsmenge in Europa um mehr als sieben Prozent zunehmen.
Die Wirkung von Baumstreifen gegen Erosion beruht auf mehreren Effekten: verbesserte Infiltration durch Wurzelwachstum der Bäume, Hanglängenverkürzung, Verringerung erosiver Kräfte, Verringerung der Fliessgeschwindigkeit und Erhöhung der organischen Substanz. Erosionsschutzstreifen an unteren Rändern landwirtschaftlicher Nutzflächen mindern die Fliessgeschwindigkeit des Oberflächenabflusses.
Quellenschutz und Pufferzonen
Waldquellen sind kleinflächige Lebensräume mit hoher Biodiversität. Nur im Wald und in höheren Lagen blieben sie heute oft noch als natürliche Biotope erhalten. Quell-Lebensräume sollen geschützt werden, indem sie in Planungsgrundlagen und Waldentwicklungspläne aufgenommen werden. Bei Bauarbeiten im Wald müssen vorhandene Quell-Lebensräume in allen Projektphasen berücksichtigt werden.
Pufferzonen schützen das Biotop vor verschiedenen schädigenden Einflüssen aus Nutzungen der Umgebung. Der erforderliche Raumbedarf für kleinere und mittlere Fliessgewässer liegt zwischen 5 und 15 m Breite.
Wasserrückhaltung in der Landschaft
Bodenverdichtung durch Forstmaschinen, das Anschneiden des Zwischenabflusses an Wegböschungen und die Kanalisierung von Oberflächenabfluss in Wegeseitengräben begünstigen die vermehrte Entstehung, Beschleunigung und Konzentration des Abflusses aus Wäldern. Dezentraler Rückhalt von Oberflächenwasser, optimierte Ableitung des Wegewassers und gezielte Wiederversickerung mildern diese negativen Auswirkungen ab.
Retentionsräume können angelegt werden, in denen Wasser temporär zwischengespeichert wird und bei geeigneten Bodenverhältnissen versickert. Kleinrückhalte an Wegen bremsen Abflusswellen, mindern Hochwasserspitzen und schaffen wertvolle Feuchtlebensräume. Versickerungsmulden nehmen Wegewasser auf, lassen es über den Boden versickern, verzögern Hochwasserwellen und verbessern zugleich die Bodenfeuchte.
Waldschutz-Initiativen in der Praxis
Zwischen wissenschaftlicher Forschung und praktischer Waldbewirtschaftung vermitteln spezialisierte Institutionen, die Waldschädlinge diagnostizieren, Entwicklungen überwachen und Forstdienste beraten. Diese Fachstellen bilden das Rückgrat eines funktionierenden Waldschutzes in der Schweiz und Deutschland.
Waldschutz Schweiz und regionale Programme
Waldschutz Schweiz an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL diagnostiziert Waldschädlinge und Krankheiten, informiert Forstdienste, Behörden, Waldbesitzer und die Öffentlichkeit über aktuelle Ereignisse. Die Fachstelle erhebt zusammen mit den kantonalen Forstdiensten Vorkommen und Ausmass von Beeinträchtigungen durch waldschutzrelevante Organismen wie Insekten, Pilze und Wild sowie abiotische Ereignisse. Darüber hinaus engagiert sie sich in der Weiterbildung von Forstdiensten, Studierenden und Fachpersonal mittels Lehrveranstaltungen, Kursen und Vorträgen.
Die Publikation “Waldschutz Aktuell” berichtet über aktuelle Waldschutzereignisse und erscheint zwei bis drei Mal jährlich online. Koordiniertes internationales Handeln wird zunehmend wichtiger, weshalb Waldschutz Schweiz den Informationsaustausch mit in- und ausländischen Fachkollegen pflegt. Die Organisation versteht sich primär als Dienstleister und Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis.
FVA Waldschutz: Monitoring und Forschung
Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg konzentriert sich auf Diagnose, Prävention und umweltverträgliche Therapie von Waldkrankheiten, die durch biotische und abiotische Schadfaktoren ausgelöst werden. Im Fokus stehen lebende Schadensverursacher, insbesondere Insekten und Pilze, aber auch Folgen von Sturm, Trockenheit sowie weiteren chemischen oder physikalischen Faktoren.
Das Borkenkäfer-Monitoring betreibt die FVA seit den frühen 1990er-Jahren mit zunehmender Intensität. Ab 2021 erweiterte sich das Monitoringnetz auf aktuell 34 Standorte in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Diese Standorte repräsentieren potentiell gefährdete Wälder, verschiedene Höhenstufen sowie relevante Wuchsgebiete. Das wöchentliche Monitoring läuft von Ende März bis Ende September, da Borkenkäfer nur in diesem Zeitraum schwärmaktiv sind. Pheromonfallen überwachen die Schwärmaktivität, während Brutbeobachtungsbäume die Brutentwicklung dokumentieren.
Zusammenarbeit zwischen Behörden und Eigentümern
Im Kanton Luzern bewirtschaften rund 12.000 Waldeigentümer 30.000 Waldparzellen. Der Kanton unterstützt regionale Waldeigentümer-Organisationen, privatrechtliche Zusammenschlüsse, die sich von Betriebsförstern beraten lassen. Betriebsförster sind bei den Organisationen angestellt oder im Mandat beauftragt und beraten Mitglieder bei Waldpflege, Holznutzung und Vermarktung. Revierförster hingegen sind beim Kanton angestellt, bewilligen Holzschläge und sorgen für die Einhaltung des Waldrechts. Die Beratung der Waldbesitzenden in Waldschutzfragen erfolgt durch Forstämter in enger Zusammenarbeit mit dem Arbeitsbereich Waldschutz und der FVA Baden-Württemberg.
Massnahmen für eine klimaresiliente Zukunft
Strategische Rahmenpläne bündeln Einzelmassnahmen zu schlüssigen Gesamtkonzepten. Der Bundesrat veröffentlichte im Dezember 2022 einen Bericht zur Anpassung des Waldes an den Klimawandel mit 19 Massnahmen, die in fünf Handlungsfeldern bis 2030 umgesetzt werden sollen. Diese Handlungsfelder reichen von naturnahem Waldbau über Bewältigung ausserordentlicher Wetterereignisse bis zur Nutzung sich verändernder Holzangebote.
Anpassung an den Klimawandel
Steigende Temperaturen und Trockenheit setzen Wäldern massiv zu. Im Kanton Glarus zeigt eine kantonale Strategie konkrete Massnahmen auf: Baumartenvielfalt erhöhen durch Förderung der Naturverjüngung, Pflege des Jungwaldes und Pflanzung einheimischer, wärme- und trockenheitsresistenter Baumarten. Das kantonale Wald-Wild-Konzept passt sich an den Klimawandel an, indem Wildhuftierbestände durch Jagd entsprechend der erforderlichen Waldverjüngung reguliert werden. Invasive Neophyten werden im Wald vermehrt bekämpft, Waldbrände verhindert oder wirkungsvoll bekämpft. Die Umsetzung dieser Strategie erfolgt ab dem 1. Januar 2025.
Wiedervernässung und Moorschutz
Moorböden machen in Deutschland etwa acht Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus. Zuletzt stammten etwa 53 Millionen Tonnen CO2-Emissionen und damit rund 7,5 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen aus der Zersetzung von Moorböden durch Entwässerungsmassnahmen und Torfnutzung. Bis zum Jahr 2030 sollen die Treibhausgasemissionen aus Moorböden um jährlich fünf Millionen Tonnen CO2-Äquivalent reduziert werden. In der Schweiz stossen die zahlreichen trockengelegten Hochmoore jährlich geschätzte 19.000 Tonnen CO2 aus. Wiedervernässung stoppt diesen CO2-Ausstoss, wobei alleine die obersten 50 cm des Torfkörpers potentielle Emissionen von über 1.000 Tonnen CO2 pro Hektar binden.
Das Förderprogramm Palu unterstützt Wiedervernässung und nachhaltige Nutzung von Moorböden auf freiwilliger Basis. Paludikultur, die land- oder forstwirtschaftliche Nutzung nasser Moorflächen, bietet Nutzungsalternativen zur reinen Renaturierung. Nasse Moore spielen nicht nur im Hinblick auf Klimaschutz, sondern auch für Wasserkreislauf und Wasserhaushalt eine entscheidende Rolle.
Biodiversitätsförderung durch gezielte Eingriffe
Das BAFU erarbeitete eine Vollzugshilfe mit sechs Massnahmenbereichen, um ökologische Potenziale koordiniert anzugehen. Mit gezielten Eingriffen lässt sich die ökologische Qualität von Waldlebensräumen wiederherstellen, beispielsweise für licht- und wärmeliebende Arten oder für die ökologische Vernetzung entlang gestufter Waldränder. Das BAFU definierte für Waldränder, lichte Wälder, feuchte Wälder und besondere Bewirtschaftungsformen wie Mittelwald nationale und regionale Handlungsziele.
Langfristige Sicherung durch nachhaltige Nutzung
Nachhaltige Waldbewirtschaftung stellt die Schutzwaldleistung sicher, fördert die Biodiversität, wappnet den Wald gegen den Klimawandel und leistet einen Beitrag zur Minderung des Klimawandels. Die Finanzierung forstlicher Eingriffe zur langfristigen Sicherung der Ökosystemleistungen des Waldes umfasst Schutz, Erholung, Klimaschutz und Wasserfiltrierung. Der Bund möchte, dass mehr Holz aus dem Schweizer Wald zum Einsatz kommt und die Wettbewerbsfähigkeit sowie Innovationskraft der Wertschöpfungskette Wald und Holz gestärkt wird.
Wissensvermittlung und Kompetenzaufbau
Wissensvermittlung und Projektmanagement spielen eine entscheidende Rolle bei der effizienten und nachhaltigen Bewirtschaftung von Waldgebieten. Im Rahmen der Wissensvermittlung werden beste Praktiken für Waldschutz, ökologische Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Rentabilität vermittelt. Blended Learning, die Kombination aus traditionellen Lehrmethoden und digitalen Formaten, ermöglicht eine flexiblere Wissensvermittlung. Das Erasmus+ Projekt FOREE entwickelte ein Weiterbildungsangebot für Forstausbilder, das einen MOOC für selbstgesteuertes Grundlagenstudium und einen begleitenden Onlinekurs umfasst.
Schlussfolgerung
Waldschutz ist mehr als eine ökologische Notwendigkeit – er bildet das Fundament unserer Zukunft. Die in diesem Artikel vorgestellten Strategien zeigen, wie naturnahe Waldbewirtschaftung, gezielte Renaturierung und intelligentes Wassermanagement zusammenwirken. Organisationen wie Waldschutz Schweiz und FVA Waldschutz setzen diese Konzepte bereits erfolgreich um. Wichtig bleibt, dass wir jetzt handeln. Die Wiedervernässung von Mooren, die Integration klimaresilienter Baumarten und die Förderung von Biodiversität erfordern langfristige Planung. Wenn Sie als Waldeigentümer oder Entscheidungsträger tätig sind, nutzen Sie die vorgestellten Massnahmen, um Ihre Waldgebiete widerstandsfähig zu machen. Die Zeit für Waldschutz ist jetzt.
FAQs
Q1. Wie viel CO₂ können Wälder jährlich absorbieren? Wälder absorbieren weltweit etwa 7,6 Milliarden Tonnen CO₂ pro Jahr, was ungefähr 20 Prozent der globalen Emissionen entspricht. Diese enorme Speicherkapazität macht Wälder zu einem unverzichtbaren Instrument im Kampf gegen die Klimakrise.
Q2. Warum sind Wälder wichtig für den Trinkwasserschutz? Waldböden funktionieren wie natürliche Schwämme und können über 1 Million Liter Wasser pro Hektar speichern. In Deutschland liegen über 40 Prozent der Trinkwasserschutzgebiete in Wäldern, und etwa 60 Prozent des Grundwassers profitieren vom schützenden Einfluss der Wälder. Das Wasser wird dabei mechanisch, biologisch und chemisch gereinigt.
Q3. Welche Rolle spielt Totholz für die Biodiversität im Wald? Totholz ist für die Artenvielfalt im Wald von zentraler Bedeutung. Rund ein Viertel aller Waldarten ist zwingend auf Totholz angewiesen, und insgesamt profitieren 50 bis 70 Prozent aller Waldarten davon. Es bietet Lebensraum für tausende Tier-, Pflanzen-, Pilz-, Moos- und Flechtenarten.
Q4. Wie schützen Wälder vor Naturgefahren? Wälder schützen durch ihre Wurzelsysteme steile Hänge und verhindern Steinschlag, Lawinen und Erosion. In der Schweiz schützen Wälder mehr als 40 Prozent aller Siedlungen und Infrastrukturen vor Naturgefahren, mit einem volkswirtschaftlichen Wert von über 4 Milliarden Franken pro Jahr.
Q5. Was bedeutet naturnahe Waldbewirtschaftung? Naturnahe Waldbewirtschaftung setzt auf die natürliche Regenerationskraft des Waldes durch Naturverjüngung, ergänzt durch gezielte Pflanzung klimaverträglicher Baumarten. Sie fördert die Baumarten-, Struktur- und genetische Vielfalt, um widerstandsfähige Bestände gegenüber Trockenheit und Stürmen zu schaffen, ohne die langfristige Vitalität des Waldes zu gefährden.


























